Presse

Business-Roundtable zum Thema Familienfreundliche Unternehmenspolitik
Ein Anlass mit dem Vätertreff vom 18.10.2006

19. Oktober 2006, Berner Rundschau, Isabelle Streit
Familienfreundliche Arbeitgeber
Burgdorf Vätertreff-Anlass mit Wirtschaftsvertretern zeigte auf: Flexibilität ist wichtig
Wie reagieren Arbeitgeber, wenn ihre Angestellten eine Familie planen? Am besten flexibel. Dies zeigen verschiedene Studien. Was braucht es konkret, und wie setzen Unternehmen in der Region die Ideen um? Der Vätertreff Burgdorf lud gestern Vertreter der Wirtschaft zu Gedankenaustausch und Diskussion ein.
Ein Kind verändert das Leben eines Paares gewaltig. Jeder Schritt verlangt fortan Planung. Wie lässt sich dieses Engagement mit dem Beruf unter einen Hut bringen? So schön die verschiedenen Betreuungsmodelle sind, sie scheitern oft an der Realität. Frauen steigen ganz oder teilweise aus dem Arbeitsleben aus, und Männer reduzieren ihr Pensum nur selten. Dies muss nicht so sein. Zahlreiche Unternehmen versuchen deshalb, familienfreundlich zu sein. Dies ist kein Luxus, wie eine Studie der Basler Prognos AG deutlich macht. Im Gegenteil. Wer eine solche Firmenpolitik betreibt, profitiert selber davon.
Treue Mitarbeiter sind Gold wert
Steigt eine Fachkraft aus, nimmt sie auch ihr Wissen mit. Bleibt sie aber, spart die Firma Rekrutierungs- und Einarbeitungskosten. Die Studie ortet Sparpotenzial zwischen 31 000 und 101 000 Franken - je nach Einkommensklasse. Doch es gibt auch positive Effekte, die sich nicht konkret in Zahlen ausdrücken lassen: Genannt sei die Steigerung der Zufriedenheit und der Motivation der Beschäftigten. Zudem verschafft sich das Unternehmen einen guten Ruf, was sicher neue gute Fachkräfte anzulocken vermag.
Die Massnahmen zur Unterstützung einer Familie sind vielfältig. Sie reichen von finanziellen Beiträgen an die Kinderbetreuung, dem flexiblen verlängerten Mutter- oder Vaterschaftsurlaub und - ganz wichtig - den individuell angepassten Teilzeitmodellen oder den Angeboten an Teilarbeitsplätzen.
Ein Argument für die Region
Dass sogar eine ganze Region von familienfreundlichen Arbeitsplätzen profitieren kann, wurde am Runden Tisch von niemandem bestritten. Jacqueline Sitje, die Personalverantwortliche der Blaser Swisslube AG aus Hasle-Rüegsau, machte klar, dass ihr Unternehmen schon jetzt alles dran setze, die Angestellten im Betrieb zu behalten. "Wenn wir eine gute Chemielaborantin haben, dann wollen wir diese nicht verlieren. Sie würde viel Spezialwissen mitnehmen. Wir versuchen, die Leute einzubinden, ihnen Ziele aufzuzeigen. So können sie selber mitentscheiden, wann ihr Einsatz gefordert ist und welches Zeitmodell sich dafür eignet", so Jacqueline Sitje. Wichtig sei es, bereits bei der Stellenbesetzung an eine Stellvertretung zu denken. Auch die Ypsomed AG in Burgdorf bemüht sich um eine familienfreundliche Unternehmenspolitik.
Mann darf auch reduzieren
Yvonne Müller, die Personalverantwortliche der Ypsomed: "Es ist nicht so einfach, gute Leute nach Burgdorf zu locken. Wenn wir aber individuell angepasst auf Familienzuwachs reagieren, kann dies ein Argument sein." Was sie feststellt ist zudem, dass Männer nicht unbedingt Teilzeit arbeiten wollen. "Die Nachfrage nach Reduktion ist gering", sagte sie. Stellt sich also die Frage, ob Männer den Druck einer Partnerin brauchen oder ob sie immer noch Angst haben, ihre Karriere damit zu bremsen. "Wichtig ist aber auch, dass die Rahmenbedingungen einer Gemeinde stimmen", sagte Yvonne Müller. Sie unterstreicht insbesondere den Stellenwert von Blockzeiten in der Schule, die Schaffung von Krippenplätzen und die Einführung von Tagesschulen.
Peter Urech, Burgdorfer Gemeinderat, bestreitet dies nicht: "Es ist im Sinne der Gemeinde, familienfreundliche Massnahmen zu unterstützen. Es kann aber nicht sein, dass dies bloss zulasten der Steuerzahler geht. Immerhin profitieren ja auch Unternehmen. Also müsste man sich überlegen, wie sich diese beteiligen." Die Diskussionen gehen weiter. Klar ist aber bereits, dass Firmen und Gemeinden spätestens dann familienfreundlich sein müssen, wenn sich die abnehmende Bevölkerungszahl bemerkbar macht.

19. Oktober 2006, Berner Zeitung, Stephan Künzi
Wer wie familienfreundlich ist
Flexible Arbeitszeit Ja, bezahlter mehrtägiger Vaterschaftsurlaub Nein: Das bieten Ypsomed und Blaser Swisslube ihren Leuten.
Mutter dreier Kinder, arbeitet in Teilzeit und weiss deshalb aus eigener Erfahrung, was es heisst, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. Die andere lebt zwar kinderlos und ist auch in klassischer Manier in einem vollen Pensum angestellt, um die Probleme der arbeitstätigen Eltern weiss sie dennoch. Denn beide kümmern sich um die Angestellten zweier grösserer Firmen. Jacqueline Sitje, die erste, leitet die Personalabteilung des Schmiermittelherstellers Blaser Swisslube in Rüegsauschachen, Yvonne Müller, die zweite, jene der Ypsomed AG in Burgdorf, die Injektionspins produziert.
Studie errechnet Gewinn
Ob familienfreundliche Angebote für die Industrie ein Luxus sind? Der Vätertreff Burgdorf hatte die Frage in den Raum gestellt, und die beiden Personalchefinnen antworteten gestern auf einem Podium aus der Sicht ihrer Firmen. Blaser Swisslube, sagte Jacqueline Sitje, sei bereits heute ein familienfreundliches Unternehmen. Die Mitarbeiter könnten ihre Arbeitszeiten flexibel einteilen, sie seien da, wenn im Betrieb viel zu tun sei und könnten frei nehmen, wenn sie familiäre Verpflichtungen zu erfüllen hätten. Präsenz und Abwesenheit würden mit dem Produktionsleiter abgesprochen, wichtig sei auch, dass für jeden ein Stellvertreter da sei.
Sitje sagte offen, dass Blaser Swisslube nicht ganz uneigennützig auf die familiären Bedürfnisse ihrer Leute eingehe. Sie setze immer alle Hebel in Bewegung, um Lösungen zu finden, denn: "Eine Laborantin, die nach fünf Jahren Arbeit in einem Spezialgebiet geht, ist nur mit grossem finanziellem Aufwand zu ersetzen." Im Übrigen arbeite in ihrer Firma auch bei den Männern mehr als die Hälfte in Teilzeit - wobei dies auch mit einem typischen Emmentaler Phänomen zu tun habe. "Viele führen dazu noch einen Bauernhof im Nebenerwerb."
Von nicht ganz so viel Flexibilität berichtete Yvonne Müller. Bei Ypsomed komme es auf die Beschäftigung an, sagte sie. Wer in der Produktion arbeite, sei in Schichten eingeteilt und habe keine Wahl. In Forschung, Informatik oder Verwaltung dagegen gebe es "sehr viel Spielraum".
Am Anlass machte der Vätertreff auch die viel diskutierte Prognos-Studie zum Thema. Die Basler Firma hatte vor Jahresfrist errechnet, dass familienfreundliche Angebote wie Teilzeitstellen, Beiträge an die Kinderbetreuung oder bezahlter Vaterschaftsurlaub zwar etwas kosteten. Gleichzeitig könnten die Firmen aber auch massiv sparen, da die Treue zum Arbeitsplatz wachse und die Kosten vieler Stellenwechsel wegfielen. Prognos schätzte unter dem Strich einen Gewinn von 8 Prozent.
Urlaub für die Väter?
Noch herrscht in der Region Zurückhaltung, sobald ein familienfreundliches Angebot etwas kostet. So wird bei Blaser Swisslube und Ypsomed nur gerade ein Tag Vaterschaftsurlaub bezahlt. Allerdings sei mehr gar nicht so gefragt, stellten Mathias Müller, Informatiker beim Bund, und Peter Urech, Gemeinderat und Richter in Burgdorf, auf dem Podium unisono fest. Viel wichtiger seien Betreuungsangebote und Blockzeiten an den Schulen - was Yvonne Müller aus Erfahrung bestätigte: Ypsomed habe eben erst eine Fachfrau verloren, weil in der Region keine Tagesmutter zu finden gewesen sei.


Veranstaltungsreihe: "Mit Papa in die Pilze", 21. Oktober, 10 bis 17 Uhr, Bahnhoftreff Steinhof; "Berufsfrau und Mutter", 21. Oktober, 10 bis 14 Uhr, Kurslokal Rotes Kreuz; Theater "Konfliktüre", 25. Oktober, 20 bis 22 Uhr, Schmiedechäuer; Infomärit, 28. Oktober, 14 bis 18.30 Uhr, Gsteighofschulhaus (16.30 Uhr: Podium).

25. Oktober 2006, Aemme-Zytig,Samuel Thomi
Job oder Familie? Wenn Frauen drängen und Männer nicht nachgeben wollen können...
Familienfreundliche Massnahmen in Betrieben - insbesondere Teilzeitjobs - verringern die Fluktuation von Mitarbeitenden. Dass dies aus Erfahrung den Betrieben in der Region bewusst ist, zeigte ein Podiumsgespräch. Doch für die Umsetzung des Wissens aus der Forschung gelten oft andere Kriterien.

"Frauen sind oft die Drängenden", hielt Tillmann Knittel vom Basler Forschungsinstitut Prognos am Business-Lunch zum Thema "familienfreundliche Unternehmenspolitik" vergangenen Mittwoch in den Räumen der Ypsomed fest. Organisiert wurde dieser von den lokalen Wirtschaftsverbänden HIV und HGV sowie dem Burgdorfer Vätertreff: "Männer haben dabei immer zwei Möglichkeiten: Sie können sich für die Arbeit oder die Familie entscheiden", führte Knittel aus. Dabei komme den Frauen oft die Rolle zu, schliesslich darauf zu pochen, dass der Mann sich nach der Gründung auch einem Teil der Familienarbeit annehme. Der Burgdorfer Gerichtspräsident und FDP-Gemeinderat Peter Urech konnte den gewonnenen Erkenntnissen aus der Forschung nur zustimmen: "Als Mann kann ich fast nur reagieren, wenn ich dazu gedrängt werde", tönte es fast schon als Entschuldigung. Dabei verwies Urech auf die traditionellen Rollenbilder, was die Situation oft erschwere. Man eben zuerst daraus ausbrechen müsse um insbesondere als Mann auch etwas zu bewegen. Wo wiederum Knittel einhakte und nachschob: "Speziell aus diesem Grund muss man versuchen, die Diskussion um Männer am Herd zu entdogmatisieren." Also Hemmungen abbauen, die Grundlagen schaffen, dass es Männern einfacher fallen würde sich allenfalls nur noch Teilzeit der Arbeit zu widmen. Ohne übermässige Folgen - was zum Beispiel Karrierechancen und Lohn betreffen.
Wäre ein Vaterschaftsurlaub also ein Mittel zur Entdogmatisierung? Von Erfahrungen in einem "familienfreundlichen Betrieb" sprach Jacqueline Sitje, Personalverantwortliche bei der Blaser Swisslube AG in Hasle-Rüegsau und dreifache Mutter: "Keinen Druck" spüre sie derzeit, nach dem Mutterschafts- auch noch einen Vaterschaftsurlaub zu gewähren. Schliesslich gehe es um das gemeinsame Kind, die Entschädigung dafür solle man daher via den Staat und nicht den Betrieb lösen.
Yvonne Müller, Ypsomed-Personalverantwortliche, wünschte sich "mehr Mut der Männer", eine Reduktion der Anstellungsprozente zu forden - "was wir in 99 Prozent der Fälle bewilligen würden". Doch komme das praktisch nicht vor. Was Mathias Müller unterstützte, welcher den Vaterschaftsurlaub als "nicht so wichtiges Kriterium" nannte. Tagesschulen und Blockzeiten seien viel wichtiger. Wobei hier gerade Burgdorf noch Nachholbedarf habe.

"Wie gelingt die Vereinbarkeit?" "Mit Papa in die Pilze" oder "Berufsfrau und Mutter" - zwei Titel der Sensibilisierungsangebote, die der Burgdorfer Vätertreff vergangenen Samstag anbot. "Zwischen Arbeitsplatz und Spielplatz. Wie gelingt die Vereinbarkeit von Beruf und Familie?" Oder: "Jonglieren, balancieren, improvisieren" - das Thema der Veranstaltungsreihe. Heute Mittwochabend (20 Uhr) gehts im Schmidechäuer weiter mit dem Forumtheater "KonflikTÜRE". Am Samstag, 14 bis 18 Uhr folgt zum Abschluss der Infomärit und eine Podiumsdiskussion (um 16.30 Uhr). Es diskutieren Andreas Rickenbacher, Franz Haldimann, Peter Urech, Dieter Haller, Urs Gnehm, Michael Rolli unter der Moderation von Barbara Widmer.Wer wie familienfreundlich ist


Papas Pasta ade! Burgdorfer Tagblatt 15.12.2005


Wahlen Stadt Burgdorf 2004 .
2004. Nov. 11, Der Bund Wahlkampf um die Väter
2004. Nov. 11, Berner Zeitung Politiker diskutierten über den Aufbruch der Väter
2004. Okt. 28, Berner Zeitung Kritik an Umfrage
2004. Okt. 08, Burgdorfer Tagblatt Vätertreff testet Kandidierende
2004. Okt. 07, Der Bund Sind Sie väterfreundlich?

2004. Okt. 28, Berner Zeitung    Kritik an Umfrage
Der Vätertreff Burgdorf führt eine Umfrage zur Familienpolitik durch. "Dilettantisch", tönts von den Freisinnigen. "Teilweise unseriös formuliert", "fragwürdig", "dilettantisch": Mit diesen Worten kritisieren die Burgdorfer FDP und die Jungfreisinnigen eine Befragung, die der Burgdorfer Vätertreff durchführt. Bei dieser Aktion will er von allen Stadtrats- und Gemeinderatskandidierenden wissen, wie es um deren Väter- und Familienfreundlichkeit steht. Hierzu haben die Initianten Fragebögen verschickt, die sie demnächst auswerten werden. Um die Ergebnisse vorzustellen und zu diskutieren, veranstaltet der Vätertreff am 9. November eine öffentliche Veranstaltung. Was Jungfreisinn und FDP stört: Die Fragen seien oft allzu suggestiv formuliert, und die vorgesehene Auswertung sei fragwürdig. "So war etwa vorgesehen, Kandidierende, die den Fragebogen gar nicht erst zurückschickten, mit null Punkten in allen Fragen und null Punkten im ‹Rating› der betreffenden Liste zu werten", schreiben die beiden Schwesterparteien in einer Medienmitteilung, in der sie sich von der Umfrage distanzieren. Zwar seien, räumen die freisinnigen Kritiker ein, die Organisatoren unterdessen davon abgerückt, die nicht eingesandten Fragebögen mit Null zu bewerten. Was aber mit den nicht beantworteten Fragen bei eingesandten Bögen passiere, sei nach wie vor unklar. Dieter Balmer vom Vätertreff erwidert auf Anfrage: "Wir nehmen die Anregungen unserer Kritiker zur Kenntnis und werden sie bei der Auswertung allenfalls einfliessen lassen." Im Übrigen hält er fest: "Wir hatten nie den Anspruch, eine wissenschaftliche Befragung durchzuführen." heb Wahlpodium "Burgdorfer Stadtmütter und -väter in Test": Dienstag, 9. November, 20 Uhr, im Gemeindesaal Burgdorf. Einstiegsreferat von Beat Kappeler.
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2004. Okt. 08, Burgdorfer Tagblatt    Vätertreff testet Kandidierende
Politik / Die Kandidierenden der Bufgdorfer Gemeindewahlen erhalten in diesen Tagen Post vom Vätertreff. In einem Fragebogen werden sie zu Väter- und Familienfragen getestet. An einem Podium mit dem bekannten Publizisten Beat Kappeler werden die Ergebnisse diskutiert. Der Vätertreff Burgdorf befasst sich seit bald sechs Jahren intensiv mit Fragen rund um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf aus Vätersicht und unterstützt in Burgdorf durch verschiedene Angebote Väter, die partnerschaftliche Wege zu einer Neuaufteilung der Haus und Familienarbeit suchen. Der Treff nimmt die städtischen Wahlen von Ende November zum Anlass, diese Thematik in die Õffentlichkeit zu tragen. In diesen Tagen erhalten alle Kandidierenden einen Fragebogen zugesandt, um ihre Meinung zur Situation von Vätern und Familien in Burgdorf zu erfragen. Es ist das erste Mal in der Schweiz, dass eine solche Befragung durchgeführt wird. Ziel ist es, nicht die Wahlen zu beeinflussen, sondern einen Bekanntmachungs- und Bewusstwerdungsprozess für Väterthemen in Gang zu setzen.
Engagement der Stadt
Neben Fragen zum Engagement für Kinderbetreuung und Haushalt interessiert die Initianten vor allem, wie nach Auffassung der Kandidatinnen und Kandidaten die richtige Aufteilung von Haus-, Betreuungs- und Erwerbsarbeit zwischen Frau und Mann sein soll. Auf der politischen Ebene geht es beispielsweise um die Frage: "Soll sich die Stadt Burgdorf verstärkt für die familien- und schulergänzende Kinderbetreuung einsetzen (Horte, Tagesschulen) oder genügen die bestehenden Angebote?".
Beat Kappeler wird zur Familienpolitik referieren
Die. zurückgesandten Fragebogen werden ausgewertet einzeln und nach Parteizugehörigkeit. Die Gesamtwertung jeder kandidierenden Person sowie die durchschnittliche Wertung für jede Wahlliste wird im Burgdorfer Tagblatt noch vor den Wahlen veröffentlicht. Die Präsentation der Resultate der Umfrage geschieht anlässlich einer Podiumsveranstaltung am 9. November um 20 Uhr im Gemeindesaal. Für das Referat konnte Beat Kappeler gewonnen werden. Der Vätertreff wird auf die Resultate zu den einzelnen Fragen genauer eingehen. Im anschliessenden Podium werden diese mit Vertretungen der Burgdorfer Parteien diskutiert und sie in Bezug auf die Ausführungen von Beat Kappeler gesetzt.
Väter wechseln Windeln
Der bekannte Autor Beat Kappeler behauptet in seinem jüngsten Buch "Die neue Schweizer Familie, Familienmanagement und Rentensicherheit", dass unsere Renten in Zukunft nur gesichert sein werden, wenn auch Väter Windeln wechseln. Wenn Väter weiterhin kaum Familienarbeit übernehmen, "stirbt Europa hoch gebildet und reich aus". Kappeler begründet diese plakativen Sätze natürlich sehr pragmatisch und dokumentiert sie mit Zahlenmaterial. Er macht mit seinem Buch aktives Vatersein zu einem Thema mit politischer Brisanz. In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat die rechtliche Gleichstellung von Frauen und Männern Fortschritte gemacht. Die tatsächliche Gleichstellung hinkt jedoch hinterher. Nach wie vor stecken Väter ihre Hauptenergie ins Berufsleben und leisten Frauen den Hauptteil der Haus- und Familienarbeit. Die höchsten prozentualen Werte in der Erwerbsarbeit erreichen ausgerechnet die Väter kleiner Kinder. Heute sind vier von fünf Frauen erwerbstätig, auch Mütter mit kleinen Kindern. Meist leisten sie kleine Teilzeitpensen und verzichten damit auf berufliche Herausforderungen, auf eine ausreichende individuelle Altervorsorge und nehmen oft unsichere Arbeitsbedingungen in Kauf. Unternehmer und Politiker sind gefordert, Bedingungen zu schaffen, die es Vätern und Müttern ermöglichen, die Erwerbsarbeit mit Familienaufgaben zu vereinbaren. Peter Hauser (lhus)
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2004. Okt. 07, Der Bund    Sind Sie väterfreundlich?
Burgdorf / In den nächsten Tagen flattert den Kandidatinnen und Kandidaten der Burgdorfer Stadt- und Gemeinderatswahlen ein Fragebogen ins Haus. Absender: der Vätertreff Burgdorf. Die Vereinigung, die sich mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf aus Vätersicht beschäftigt, will damit die Väterfreundlichkeit der zur Wahl stehenden Personen testen. Gleichzeitig soll der Fragebogen das Bedürfnis nach väterfreundlichen Angeboten in der Stadt ausloten. Die Umfrage sei ein "Novum für die Schweiz", schreibt der Treff in einer Mitteilung. Wenn Väter weiterhin kaum Familienarbeit übernehmen, "stirbt Europa hoch gebildet und reich aus", zitiert der Vätertreff den Schweizer Publizisten Beat Kappeler, der in seinem jüngsten Buch nach Ursachen der sinkenden Geburtenzahlen in der westlichen Welt sucht. Der Vätertreff fordert von der Politik Lösungen, die es Eltern ermöglichen, Erwerbsarbeit mit Familienaufgaben zu vereinbaren. Die Herausforderungen eines Haushalts mit Kindern liessen sich mit denjenigen eines Kleinbetriebes vergleichen, so der Treff. Die Auswertung der bis Ende Monat zurückgesandten Fragebogen wird am 9. November um 20 Uhr im Gemeindesaal Burgdorf an einer Podiumsveranstaltung präsentiert. Für ein Impulsreferat konnte der Vätertreff Beat Kappeler gewinnen, auf dem Podium diskutieren werden Vertreterinnen und Vertreter der Burgdorfer Parteien. (al)
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2004. Nov. 11, Berner Zeitung    Politiker diskutierten über den Aufbruch der Väter
Kinderkriegen ist nicht mehr attraktiv - es sei denn, familienfreundliche Strukturen in Arbeitswelt und Gesellschaft gäben Anreize. Darüber diskutierten in Burgdorf einige Stadtrats- und Gemeinderatskandidierende. Alle Stadtratsparteien waren vertreten - mit Ausnahme der SVP. Einem allfälligen Vertreter der Volkspartei war zwar ein Platz reserviert; er blieb jedoch leer, als Vertreter des Vätertreffs Burgdorf und verschiedene Stadt- und Gemeinderatskandidierende an einem Podium über Familienpolitik diskutierten. Die SVP hatte sich bereits an der vom Vätertreff durchgeführten Umfrage nicht beteiligt (siehe Kasten).
Training im Haushalt
Wie väter- und familienfreundlich ist die Arbeitswelt? Dieser Frage spürten die Diskutierenden am Podium nach. Mit von der Partie war auch der Schriftsteller Beat Kappeler ("Die neue Schweizer Familie"), der seinem Einstiegsreferat zwei Forderungen zu Grunde legte. Um dem bedrohlichen Bevölkerungsschwund in der Schweiz entgegenzuwirken, müssten die Arbeitgeber vermehrt Teilzeitstellen anbieten, damit beide Elternteile einerseits verdienen und sich andererseits in der Hausarbeit abwechseln könnten, lautet eine der Forderungen. "Eine Familie, die ohne Subventionen ein Einkommen von 150 Prozent generiert, ist wirtschaftlich gut abgestützt", nannte Kappeler einen Vorteil. Und: "Väter, die sich zu Hause um die Kinder kümmern, können sich dabei Managementerfahrungen in den Bereichen Motivation, Koordination, Kooperation und Netzwerkplanung aneignen, die sich auch im Berufsleben anwenden lassen." Kappelers zweite Forderung zur Entlastung arbeitender Eltern lautet: "Sofort müssen Tagesschulen her; solche können ohne grossen finanziellen Aufwand an den bestehenden Schulen eingerichtet werden." "Das gefällt mir sehr gut", reagierte Stapi-Kandidatin Barbara Schütz (SP) auf dieses Votum. Und schob nach: "Mir ist es in diesem Zusammenhang zugleich ein Anliegen, dass Frauen und Männer für gleichwertige Arbeit gleich entlöhnt werden."
"Braucht eine dicke Haut"
Alle waren sich über die Parteigrenzen hinweg einig: Es brauche in der Arbeitswelt familienfreundliche Strukturen, und diese seien noch zu selten anzutreffen. Vor allem sei ein gesellschaftliches Umdenken nötig. Davon wusste Gemeinderatskandidatin Beatrice Kuster (EVP) ein Lied zu singen. "Mein Mann und ich haben vor zehn Jahren begonnen, uns die Arbeit und Hausarbeit aufzuteilen, aber um das durchzuziehen, braucht es eine dicke Haut." Noch immer höre man, dass eine Frau ins Haus gehöre, und ein Mann, der sich der Hausarbeit widme, gelte als halbe Portion. Bernhard Herold vom Vätertreff arbeitet selber zu einem reduzierten Pensum. Ein Familienvater müsse sich aber bewusst sein: Ein Teilzeitjob schränke die Karrieremöglichkeiten in der Regel "drastisch" ein, sagte er. Um Väter trotz allem zu animieren, einen Teil ihrer Arbeitskraft im Haushalt einzusetzen, schlägt er steuerliche Erleichterungen vor - entweder für die betreffenden Väter oder für deren Arbeitgeber.
Wenns Männer sagen …
Stadtratskandidatin Regina Mumenthaler (GFL) zeigte sich von den Bekenntnissen zur Familienfreundlichkeit, die sie an diesem Abend von Männerseite zu hören bekam, erfreut - und konnte sich eine bissige Anmerkung dennoch nicht verkneifen: "Der Vätertreff hat das Thema aufgegriffen und damit einiges Echo ausgelöst", sagte sie und kritisierte: "Wir Frauen können genau dasselbe Thema jahrelang immer wieder vorbringen, und niemand hört uns zu." Das sei doch letztlich ein Abbild der gegenwärtigen Gesellschaft.Hans Herrmann Der Vätertreff Burgdorf hat alle Stadtrats- und Gemeinderatskandidierenden auf ihre Väter- beziehungsweise Familienfreundlichkeit geprüft und zu diesem Zweck einen Fragebogen versandt. Mit 96 Prozent kam der höchste Rücklauf von der SP, gefolgt von EDU und GFL mit 78 beziehungsweise 76 Prozent. Die SVP macht den Schluss; ein einziger Kandidat hat den Bogen ausgefüllt. Die nach den Kriterien des Vätertreffs familientauglichsten Antworten gab die SP; die EDU rangiert - in Bezug auf die Antworten -bloss noch auf dem zweitletzten Platz, einzig unterboten von der SVP. Die Einzelrangliste führt der Stadtratskandidat Dieter Haller von der SP an; die jungfreisinnige Christine Jost und Beatrice Kuster Müller von der EVP belegen Platz zwei und drei. heb
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2004. Nov. 11, Der Bund    Wahlkampf um die Väter
Eine Umfrage prüfte die "Väterverträglichkeit" der Burgdorfer Parlamentskandidaten
Ein Fragebogen des Burgdorfer Vätertreffs zu Rollenverteilung und Familienpolitik brachte es an den Tag: Am "vaterfreundlichsten" sind die Stadtrats- und Gemeinderatskandidaten der SP - und die Frauen. Parteiübergreifend.
FRANZISKA RAMSER
"Wie ist Ihre Haltung zu einem bezahlten Vaterschaftsurlaub?" fragte der Vätertreff Burgdorf die Kandidatinnen und Kandidaten für den Stadt- und Gemeinderat. Der Fragebogen, der den Kandidierenden im Oktober ins Haus flatterte, fühlte ihnen mit Fragen rund um das Rollenverständnis in der Erwerbs- und Familienarbeit auf den Zahn. Der Vätertreff, der sich mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf aus Vätersicht beschäftigt, wollte mit der Umfrage "die Väterfreundlichkeit der zur Wahl stehenden Personen testen". Die zurückgesandten Bogen sollten einzeln und nach Parteizugehörigkeit ausgewertet werden.
Unmut bei SVP und FDP
Die Aktion stiess bei den Kandidierenden nicht auf einhellige Begeisterung. Man distanziere sich "in aller Form" von der "fragwürdigen" Auswertung, liess die FDP in einer Mitteilung Ende Oktober verlauten. Der Freisinn bemängelte vor allem die tendenziösen Fragestellungen und die Methode des Ratings. Die Fragen haben die FDP-Kandidaten trotzdem beantwortet - und ihren Präsidenten Peter Urech ans Podiumsgespräch in den Gemeindesaal delegiert. Anders bei der SVP: Ein einzelner Bogen wurde eingereicht - die Partei beim Rating nicht berücksichtigt. Man habe sich geschlossen gegen eine Teilnahme entschieden, sagte Präsident Hans Klaus. Der Vätertreff habe die Wahlen dazu missbraucht, seinen Verein zu lancieren. Dafür wolle man keine Plattform bieten. Einige Fragen, sagte der SVP-Präsident, "grenzen ausserdem an Nötigung". Der Stuhl für den SVP-Delegierten blieb bei der Veröffentlichung der Umfrageresultate denn auch leer. Insgesamt sind 96 der 153 verschickten Bogen mit Fragen zu den Bereichen Aufgabenteilung, Tagesschulen und Stadtverwaltung als Arbeitgeberin eingesandt und ausgewertet worden.
Rot-Grün an der Spitze
Den ersten Rang teilen sich drei Kandidaten - aus drei verschiedenen Parteien. Dieter Haller (sp), Christine Jost (jf) und Beatrice Kuster (evp) durften für die ihnen attestierte "Väterfreundlichkeit" Blumen entgegennehmen. Im Parteienrating schnitt die SP am besten ab, dicht gefolgt von der GFL. Die befragten Frauen, dies ein weiteres Resultat, zeigten sich ausserdem "väterfreundlicher" als die männlichen Kandidaten. Keine Rolle spielte hingegen, ob die Befragten selber Kinder haben oder nicht - sie erreichten ähnliche Punktzahlen.
Nur schöne Worte?
In der Podiumsdiskussion zeigten die geladenen Parteivertreter sich indes äusserst einmütig. Gestützt auf das vorangegangene Referat des Schweizer Publizisten Beat Kappeler sprachen sich die Kandidierenden von GFL bis CVP für Tagesschulen, Lohngleichheit und ein grösseres Angebot von Teilzeitstellen aus. "Europa stirbt aus", hatte Kappeler in Anspielung auf die sinkenden Bevölkerungsraten gesagt. Kinder gäbe es künftig nur noch, wenn Betreuungsangebote und Teilzeitstellen bereitstünden. Breite Zustimmung fand Kappelers Plädoyer dafür, dass die väterliche Hausarbeit als Weiterbildung zu betrachten sei. Kindererziehung erfordere nämlich durchaus Managerfähigkeiten, sagte Kappeler. Auch die These, dass ein Paar mit zwei Teilzeiteinkommen finanziell besser dastehe "als mit aller Hilfe, die der Staat je zu geben vermöchte", wurde von FDP-Vertreter Urech mit grosser Zustimmung aufgenommen. Bei allen positiven Visionen einer egalitären Gesellschaft, die Kappeler zu zeichnen vermochte - die kritischen Stimmen fehlten nicht. "Wenn es nur wahr wäre", kommentierte Regina Mumenthaler, Stadtratskandidatin der GFL, die Ausführungen. "Diese Gesellschaft werde ich wohl nicht mehr erleben."
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